150 Kilometer durch das Land

Und natürlich muss man den Schlauch auch hin und wieder ausleihen. Um der Freundin heimzuzahlen, was sie so eben getan hat oder die Gelegenheit beim Schopfe zu packen, wenn man jemanden gesehen hat, der gerade nicht aufpasst.

Voll im Eimer
Die dritte Gattung ist die am weitesten verbreitete und auch die am breiten gefächertste. Der Eimer. Und was nicht alles als Eimer gelten kann. Vom kleinen Schüsselchen bis zum 50 Liter Waschzuber war alles dabei, was Küche und Keller zu bieten hatten. Besonders letztere wurden gerne dazu herangezogen um auf der Ladefläche der Pickups als Vorratsbehälter zu fungieren. Mit diesen Gefährten ging es dann durch die Stadt oder von Dorf zu Dorf.
Auf der Ladefläche zwischen vier und mehreren Dutzend Personen, aus den Boxen schreiend laute Musik, das ganze Auto mehr hüpfend als fahrend. Und in der Mitte der Ladefläche dieser riesige Zuber. Aus dem sich jeder bediente um jedem seine Dusche zu verpassen, der in Reichweite war. Die Krönung war, als ich in Vientiane sah, wie zwei Männer einen halb vollen solchen Zuber packten und ihn über ihren Freund schütteten, der gerade für eine Zigarette vom Heck gesprungen war. Rauchen und Taschen von
Taschen Boutique
gilt nicht.
Am zweiten Tag des Spektakels, dem Höhepunkt des Festes, fuhr ich mit dem Bus von Vang Vieng nach Vientiane. 150 Kilometer durch das Land. Ich stand halb im Eingang des Gasthauses, wo ich meine Fahrt gebucht hatte und auf mein Tuktuk wartete, das mich zum Busbahnhof bringen sollte. Da keiner in die Häuser spritzt, war ich hier sicher und schoss mir den Finger an meiner Kamera fast wund. Es war noch früh am Morgen, und es schien ganz so, als hätten einige Besucher noch nichts vom laotischen Neujahrsfest mitbekommen.
Das Gesicht eines erwachsenen Menschen, der sich hübsch angezogen auf einen Bummel begeben will und nach wenigen Metern von einer Gruppe Einheimischer höchst effektiv bis auf die Haut durchnässt wird, hat mich des Öfteren zu Tränen gerührt. Schadenfreude ist ja bekanntlich die schönste solche. Ein junger Amerikaner, der sich mit einem Angestellten des Gasthauses verbündet hatte und mit seinen Freunden nun gemeinsam die Kreuzung übernahm, fragte mich noch, warum ich nicht mitmache, es sei doch so heiß und es mache viel Spaß.
Das glaubte ich ihm gerne. Ich entschuldigte mich damit, dass ich einiges an elektronischer Ausrüstung dabei hatte und noch vier bis fünf Stunden Busfahrt vor mir. Alles in allem besser trocken als nass zu erleben. Es funktionierte auch ganz gut. So lange ich im Eingang des Gasthauses blieb.
Dann kam mein Tuktuk, ich wickelte meine Kamera in zwei Plastiktüten, überprüfte den wasserdichten Packsack meines Laptops und den Überzug für meine großen Rucksack. Trat zwei Schritte aus dem Gasthaus. Und… na klar… was habe ich mir eigentlich gedacht? Dass sie eine Gasse für mich bilden? Mir den Schirm halten?